Jannik Sinner hat seine Teilnahme am Masters-Turnier in Shanghai abgesagt. Der Weltranglistenerste leidet an einem Iliotibialband-Syndrom im rechten Knie und hat seit seinem Wimbledon-Sieg im Juli kein Turnier mehr gespielt. Für Alexander Zverev öffnet sich damit die Tür zur Spitze der Weltrangliste. Es wäre das erste Mal seit Boris Becker 1991, dass ein deutscher Tennisspieler die Nummer eins ist.
Die Ausgangslage
Sinner führt die Weltrangliste mit einem Vorsprung von gut 1.300 Punkten vor Zverev an. In Shanghai muss Sinner nur 50 Punkte aus dem Vorjahr verteidigen, die Absage kostet ihn also kaum etwas. Zverev dagegen kann in Peking, wo er derzeit spielt, und beim Masters in Shanghai vom 7. bis 18. Oktober viele Punkte sammeln. Ob es schon in Shanghai für Platz eins reicht, hängt davon ab, wie weit Zverev in beiden Turnieren kommt und welche Punkte er selbst aus dem Vorjahr verteidigen muss.
Zverevs bestes Jahr
Die Chance kommt nicht aus dem Nichts. 2026 ist das erfolgreichste Jahr in Zverevs Karriere:
- French Open: erster Grand-Slam-Titel, im Finale am 7. Juni gegen Flavio Cobolli in fünf Sätzen
- Wimbledon: Finale, Niederlage gegen Sinner
- US Open: zweiter Grand-Slam-Titel, als topgesetzter Spieler, im Finale gegen Ben Shelton
In Peking ist Zverev mit einem klaren 6:0, 6:3 gegen Shang Juncheng ins Turnier gestartet.
Was für Sinner noch kommt
Sinner plant seine Rückkehr für die Hallensaison. Auf seinem Programm stehen noch die Turniere in Wien und Paris sowie die ATP Finals. Dort muss er allerdings viele Punkte verteidigen: Wien und Paris hat er 2025 gewonnen, die ATP Finals sogar 2024 und 2025. Selbst wenn Zverev in Asien noch nicht vorbeizieht, wird das Duell um Platz eins damit bis zum Saisonende offen bleiben.
Das Verdikt
Sinners Verletzung ist für Zverev ein Vorteil, den er nicht bestellt hat. Seinen Anspruch auf Platz eins hat er sich aber mit zwei Grand-Slam-Titeln selbst erarbeitet. Sollte er die Spitze übernehmen, wäre das kein Geschenk, sondern die verdiente Krönung einer herausragenden Saison.
